Gewalttätigkeiten in Tikapur im August 2015

Im Vorfeld der Ereignisse hatten die führenden politischen Parteien Nepals einen umstrittenen Beschluss gefasst: man hatte entschieden, die Bekanntgabe einer neuen Verfassung zu beschleunigen. Erklärte Absicht dahinter war die Notwendigkeit, das Land nach den verheerenden Erdbeben, die Nepal im Frühjahr des Jahres getroffen hatten, neu aufzubauen. Man einigte sich am 8. August auf ein föderalistisches Modell, das sechs Provinzen vorsah. Alle beteiligten Gruppen bekamen die Gelegenheit, eventuelle Einsprüche zu erheben – innerhalb einer Woche, wohlgemerkt. Und sie mussten dazu auch nach Kathmandu kommen.

 

Zeitgleich mit dem Ausbruch gewalttätiger Proteste im westlichen Teil des Landes – in Surkhet, Thori (Parsa), Baglung und Jumla – gab die Regierung dann scheinbar nach, indem sie eine siebte Provinz hinzufügte. 

 

Die Demonstranten setzten sich vor allem aus ausgegrenzten Ethnien wie der Tharu und der Madhesi zusammen, die in einem Zustand von Armut sowie ökonomischer und sozialer Stagnation gefangen sind. Ganz im Westen Nepals sind die Tharu weder in der Politik noch im öffentlichen Dienst oder bei den Sicherheitskräften, vertreten, obwohl sie zahlenmäßig eine größere Gruppe bilden als höher gestellte Kasten wie die Brahmanen oder die Chhetri.

Die als Tharuhat bekannte Bewegung ist bislang die erste ihrer Art: eine Gruppe, die zum ersten Mal explizit eine Interessensvertretung für ihre Gemeinschaft fordert. Sie tat dies, indem sie eine Provinz für die Tharu verlangte, die durch Fusion zweier Provinzen zustande kommen sollte, Kailali und Kanchanpur. Die Brahmanen und Chhetri wiederum fürchteten, im Falle einer solchen Fusion eventuell mit Steuerabgaben belastet zu werden für die Ländereien, die sie besitzen – oder diese Ländereien sogar ganz zu verlieren.

 

Der konkrete Auslöser für die Demonstrationen am 24.08.2015 war die Befürchtung der Tharuhat Bewegung, dass mit dem nun in Aussicht stehende neue föderalistische Modell ihre Interessen nicht ausreichend vertreten werden würden.

 

Der Protest eskalierte, nachdem die Polizei die Demonstranten mit Tränengas beschoss, woraufhin sie von einigen der Protestierenden angegriffen wurden. Dieser Gewaltausbruch kostete neun Menschen (8 Polizisten und ein 18 Monate altes Kind) das Leben.

 

Auswirkungen der Unruhen auf das Umfeld der NEBS

Im Zuge der Gewalttätigkeiten wurde das Motorrad des Schulleiters Narendra Bandhari zerstört.

Glücklicherweise kamen keine Menschen aus dem Kreis der Schüler und Lehrkräfte sowie deren Familien zu Schaden.

Durch die verhängte Ausgangssperre war tagelang nur ein eingeschränkter Schulbetrieb von drei Stunden pro Tag möglich.

Auch der Einsatz des Traktors war unterbrochen, wodurch die für die Mindestfinanzierung des Schulbetriebs erforderlichen Einnahmen entfielen.

Nach einigen Wochen hatte sich die Lage wieder soweit beruhigt, dass ein regulärer Schulbetrieb durchgeführt werden konnte.

Allerdings konnte der Traktor nur stark verringert eingesetzt werden, da es seit den Unruhen auch zu Engpässen bei den Treibstofflieferungen aus Indien kam.

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs Anfang November 2016 war aber ein Vollbetrieb des Traktors wieder möglich.

 

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